Die Entwicklung von COPCA®
Die Geburtsstunde von COPCA® – von der Idee zum internationalen Programm
Die Wurzeln von COPCA® (Coping with and Caring for infants with special needs) reichen zurück in die späten 1990er Jahre in die Niederlande. Zwei engagierte Fachfrauen – Tineke Dirks, Kinderphysiotherapeutin, und Prof. Dr. Mijna Hadders-Algra, Expertin für Entwicklungsneurologie an der Universität Groningen – begannen, etablierte Konzepte der Frühförderung kritisch zu hinterfragen.
Ihre zentralen Überlegungen lauteten:
- Fehlende Evidenz: Für die damals gängigen Therapieansätze (NDT/Bobath oder Vojta) bei Säuglingen mit hohem Risiko für neurologische Entwicklungsstörungen fehlten überzeugende wissenschaftliche Belege für deren Wirksamkeit.
- Einseitige Fokussierung auf das Kind: Viele Interventionen richteten sich primär auf das Kind. Die Familie als zentraler Lebensraum und entscheidender Förderfaktor blieb kaum berücksichtigt.
- Neue Erkenntnisse der Hirnentwicklung: Fortschritte in der Neurowissenschaft verlangten nach einem neuen Verständnis von frühkindlicher Entwicklung und entsprechender therapeutischer Begleitung.
„Als wir begannen unsere Ideen zu konkretisieren, verbrachten wir viele Tage mit zwei Familien schwer betroffener Kinder. Wir wollten verstehen, was diese Familien wirklich brauchen und was sie als belastend empfinden. Dabei lernten wir vor allem eines: Familien wünschen sich verständliche, alltagstaugliche Unterstützung, die sie selbstwirksam macht und ihre Kinder in ihrer Entwicklung stärkt.“
(Mijna Hadders-Algra)
Die ersten Schritte – wissenschaftliche Fundierung
Aus dieser Erkenntnis wuchs ein neuer Therapieansatz, der in einer sorgfältig geplanten Studie wissenschaftlich überprüft wurde.
Trotz anfänglicher Schwierigkeiten in der Drittmittelbeschaffung gelang es dem Team, erste Forschungsergebnisse zu veröffentlichen.
Das Ergebnis: COPCA® zeigte sich als wirkungsvolle Methode, um Familien mit Kindern mit neurologischen Entwicklungsrisiken ganzheitlich und nachhaltig zu unterstützen. Der Fokus auf Partizipation, Autonomie und Familienkompetenz bewährte sich.
COPCA® in der Weiterentwicklung – Forschung trifft Praxis
Mit der Veröffentlichung der ersten COPCA-Studien im Jahr 2010 wurde auch die Schweizer Kinderphysiotherapeutin Schirin Akhbari Ziegler auf das Programm aufmerksam. Als Dozentin an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Winterthur entschloss sie sich, ihre Doktorarbeit diesem innovativen Ansatz zu widmen. Im Rahmen ihrer Forschungsarbeit konnte sie eindrucksvoll nachweisen:
- Eltern, die mit COPCA® begleitet wurden, fühlten sich gestärkt, informiert und in der Lage, ihr Kind aktiv zu unterstützen.
- Ehemals frühgeborene Kinder, die mit dem COPCA® - Programm gefördert wurden, zeigten signifikant bessere Entwicklungsergebnisse als Vergleichsgruppen, die mit herkömmlichen Verfahren (z. B. NDT/Bobath) behandelt wurden.
- Die Schulung von Fachpersonen zu COPCA®-Coaches ist ein intensiver Prozess, der Zeit, Reflexion und kontinuierliche Weiterbildung erfordert.
International unterwegs – COPCA verbreitet sich weltweit
Im Jahr 2019 wurde COPCA® als Marke geschützt und seither regelmässig an der ZHAW in mehrtägigen Intensivkursen vermittelt. Diese Kurse erfreuen sich internationaler Nachfrage. Fachpersonen aus zahlreichen Ländern nehmen teil, um das Konzept in ihre Heimat zu tragen. Besonders in Ländern mit mittleren und niedrigen Einkommen bietet COPCA® einen wertvollen Beitrag: Eltern lernen, ihre Kinder mit besonderen Bedürfnissen eigenständig, ressourcenorientiert und integriert in ihrem Alltag zu begleiten und deren Entwicklung individuell zu fördern.
Allerdings stellt die Teilnahme an Schweizer Kursen für viele Gesundheitsfachpersonen aus einkommensschwachen Regionen eine finanzielle Hürde dar. Um dem entgegenzuwirken, wurde der Verein zur internationalen Implementierung von COPCA® gegründet.
Unsere Mission: weltweit Zugang schaffen!
Unser Verein hat sich zum Ziel gesetzt, COPCA® dort verfügbar zu machen, wo es am dringendsten gebraucht wird. Wir unterstützen:
- einzelne Gesundheitsfachpersonen in sozialen und medizinischen Zentren, die mit Familien aus benachteiligten Regionen arbeiten,
- den Aufbau von COPCA®-Ausbildungszentren in verschiedenen Ländern,
- die Implementierung durch ausgebildete COPCA®-Coaches vor Ort, damit das Programm nachhaltig und kultursensibel vor Ort verankert werden kann.
COPCA steht für Hoffnung, Wissen und Zusammenarbeit
Wir sind überzeugt, dass jedes Kind - unabhängig von Herkunft, Diagnose oder Umfeld - die bestmögliche Unterstützung verdient. COPCA ist mehr als ein Therapieansatz: Es ist ein partnerschaftliches Programm, das Familien stärkt, Fachwissen vermittelt und Entwicklung ermöglicht.